Mein neues Leben hat begonnen

Ich bin jetzt auch (richtig 😉) im Vyn Guest House angekommen.

Martinas und mein Traum, ein Haus in Südafrika zu besitzen und irgendwann hier zu leben, war über die Jahre gewachsen (Sie hat darüber ja schon in einem ihrer Posts berichtet). Als wir dann 2017 das Grundstück kauften, hatten wir keinen klaren Plan, wann und wie das alles weitergehen würde. Wir hatten einfach zugeschlagen, als uns dieses einmalige und wunderschöne Fleckchen Erde mit dem sensationellen Blick in die Bucht von Hout Bay und auf den offenen Atlantik auf der anderen Seite angeboten wurde. Der weitere Weg, der dann folgte, ergab sich Schritt für Schritt mit der Suche nach einem Architekten, mit den ersten Überlegungen zur Gestaltung des Hauses und dem anschließenden Planungs- und Genehmigungsprozess. So gingen einige Jahre ins Land.

Als dann die Corona-Pandemie alles auf den Kopf stellte, kurz nachdem Martina entschieden hatte, ihren Job in Köln aufzugeben und zu mir nach Wolfsburg zu ziehen, wo ich berufsbedingt lebte, hatte sie gezwungenermaßen viel Zeit in einer neuen Stadt, in der sie kaum jemanden kannte. In dieser Zeit entstand der Gedanke, dass man das Haus nicht nur als Feriendomizil für die Familie nutzen, sondern auch Zimmer vermieten könnte. Die Idee des Guest House war geboren und Martina begann, ihn Stück für Stück weiterzuentwickeln.

Ich arbeitete bereits seit 2019 als CFO bei Schnellecke, einem großen Familienunternehmen im Bereich der Automobillogistik – für mich die Erfüllung meiner professionellen Ziele. Als Martinas Planungen für ein Guest House immer konkreter wurden und sie schon viel Zeit in Kapstadt verbrachte, versuchte ich, möglichst oft bei ihr zu sein. Wir genossen die gemeinsame Zeit sehr, gingen Wandern, machten Ausflüge in die Winelands oder zum Kap und gingen gut Essen in einem der vielen hervorragenden Restaurants. Derweil machte der Bau stetig Fortschritte und wir konnten uns immer mehr vorstellen, wie das Haus einmal aussehen würde. Doch nach ein paar Wochen, die ich dort teils im Urlaub und teils mobil arbeitend verbrachte, musste ich wieder zurück und wir waren wieder ein Vierteljahr getrennt. Den Sommer der nördlichen Hemisphäre verbrachten wir natürlich gemeinsam in Deutschland.

Wir dachten – vielleicht etwas naiv –, dass dieses Modell gut funktionieren würde. Es war aber etwas völlig Neues. Wir sind nun mehr als vierzig Jahre ein Paar und waren in all den Jahren nie länger als zwei Wochen getrennt voneinander. Nach einiger Zeit mussten wir uns und vor allem ich mir eingestehen, dass wir es nicht aushielten. Das Unternehmen und die Eigentümerfamilie – das sage ich auch im Rückblick aus voller Überzeugung – sind großartig und meinem Job habe ich immer geliebt. Es war daher nicht einfach und es hat etwas gedauert, bis ich es mir eingestanden habe. Aber die einzige Lösung war, meine bisherige berufliche Laufbahn zu beenden und das Guest House gemeinsam mit Martina zu betreiben.

Nach meiner Rückkehr aus Kapstadt im Frühjahr 2024 habe ich mit den Gesellschaftern über die Situation gesprochen. Sie waren zwar nicht erfreut, aber doch verständnisvoll, wofür ich nach wie vor sehr dankbar bin. Die Entwicklung und Umsetzung der Lösung, d.h. mein Ausstieg und die sichere Fortführung und Übergabe meiner Aufgaben, dauerte dann doch noch fast ein Jahr.
Ich bin in meiner Arbeit aufgegangen. Es war sehr erfüllend, berufliche Ziele zu erreichen, Dinge gestalten zu können und sich fachlich weiterzuentwickeln. Im Nachhinein bin ich aber froh, den Mut gehabt zu haben, all das hinter mir zu lassen. Manchmal im Leben muss man einfach wissen, was einem wirklich wichtig ist. Ich wünsche jedem, der in einer ähnlichen Situation ist, dass er auch die richtige Entscheidung trifft.

Nach einem guten Jahr bin ich nun ziemlich angekommen – nicht nur in Kapstadt, sondern auch in unserem neuen Lebensmodell. Die Perspektive, gemeinsam mit Martina das Vyn Guest House zu betreiben, war und ist ja zugegebenermaßen sehr attraktiv. Ich darf nun immer wieder neue nette und interessante Menschen kennenlernen, mich mit schönen – manchmal verrückten – Dingen beschäftigen und Sachen machen, für die ich bisher zu wenig Zeit hatte.

Die gemeinsame Arbeit im Guest House und die Tatsache, dass wir 24/7 zusammen sind, sind sehr schön, haben aber auch ihre Herausforderungen, zumal weil wir nicht nur zusammen leben, sondern zusammen arbeiten. Außerdem musste ich meine Arbeitsweise vollständig umstellen. alle Routinen, die ich mir in Jahrzehnten als Führungskraft und Berater angeeignet hatte, waren plötzlich wertlos. Mit der Zeit lief es immer besser. Viele Gespräche und auch die ruhige Zeit nach Ende der der Saison haben mir im Übergang geholfen.

Jetzt, während das Guest House geschlossen ist, genießen Martina und ich unsere Familie in Köln, die Treffen mir Freunden und die Reisen, die wir gemeinsam unternehmen. Ich freue mich schon wieder auf die neue Saison. Auf viele gute Gespräche mit den Gästen, atemberaubende Sonnenuntergänge auf der Terrasse, Ausfahrten mit „Ferdinand“, unserem wunderschönen in Kapstadt erworbenen Oldtimer, großartige Wanderungen, den lebendigen Austausch mit unseren Mitarbeitern und auf vieles mehr. Vor allem aber darf ich weiter viel Zeit mit Martina am schönsten Ende der Welt verbringen. Ich bin dankbar für dieses Privileg und bin gespannt auf die wunderbare Reise, die noch vor uns liegt.